Lech Wałęsa: Veto der ganzen Welt im Namen der Solidarität

Ich rufe niemanden zu einer blutigen Revolution auf, selbst als Revolutionär nicht. Aber um so mehr muss ich als Friedensnobelpreisträger reagieren, wenn grundlegende Standards verletzt werden. In solchen Fällen muss das biblische "Ja, ja, nein, nein" gesagt werden. Auch in der Sache von China und Tibet.

Und man darf die Wahrheit nicht fürchten. Dies erfordert die Solidarität in Zeiten der Globalisierung. Denn das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Globalisierung und - nach wie vor glaube ich fest daran - das Jahrhundert der Solidarität. Sie soll die alten Methoden und Standards des Lebens aus der vorherigen Epoche ersetzen - der Epoche der Teilungen und der Kriege. jetzt muss in den zwischenmenschlichen Beziehungen eine Kooperation dominieren, die auf Solidarität aufbaut. Sie soll verschiedene Sphären unseres Lebens beherrschen. Darunter auch die Wirtschaft. Und daher ist es sehr gut, dass wir in der Lage sind, wirtschaftlich mit China zusammenzuarbeiten. Konkurrenz treibt die heute bereits globale Wirtschaft immer an. Und so soll es auch sein - bis zu einem gewissen Moment, bis zur Grenze, die von den Standards gesetzt wird. Und dem wichtigsten dieser Standards - der Achtung der Würde des Menschen. Jedes Signal, dass diese Grenze erreicht oder sogar überschritten wird, muss eine rote Lampe aufleuchten lassen. Stopp! Einspruch! Die Welt erklärt sich nicht einverstanden!

Und genauso muss es mit China, Tibet und den Olympischen Spielen sein. Es ist doch interessant, dass die Welt plötzlich erkennt, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Ich verstehe die heutigen und gestrigen Intentionen verschiedener Seiten. Das Internationale Olympische Komitee nahm an, dass die Organisation der Olympischen Spiele Peking enger an die Zivilisation des Friedens und des Rechts von Menschen und Völkern zur Selbstbestimmung binden würde. Dass es einfacher sein würde, China und die Aktivitäten dieses Staates auf verschiedenen Ebenen zu überwachen. Und teilweise ist das auch so. Wir wissen heute mehr über die Situation in China, wir können trotz allem gewissen Druck ausüben. Wir können und wir müssen auch. Eine Absage der Olympischen Spiel würde jedoch nichts ändern. Das wäre eine radikale Reaktion, gemäß dem alten Denken. Aber dies bedeutet auf keinen Fall, dass wir schweigen sollen. Wir müssen China zeigen, dass uns die derzeitige Situation nicht gleichgültig ist. Ich sehe da verschiedene Methoden. Die einen können die Eröffnungsveranstaltung der Spiel boykottieren, die anderen verschiedene andere Gesten zeigen. Dies sollte bessere Ergebnisse hervorrufen als ein vollständiger Boykott der Spiele. Aber was wäre passiert, wenn es die berühmte Geste des polnischen Stabhochspringers Kozakiewicz während der Olympischen Spiele in Moskau nicht gegeben hätte? Und was brachte seine Teilnahme, sein Sieg und seine berühmte Geste? Wir erinnern uns bis heute daran. Und die Organisatoren hatten daran ganz schön zu schlucken. Das ist Sport - und im Sport, in all diesen Arenen kann man entgegen aller Zweifler sehr viel erreichen.

Ich überlege mir mein Handeln in dieser Angelegenheit genau. Ich habe vor, mit meinem langjährigem Freund, Seiner Heiligkeit dem Dalailama darüber zu reden. Ich lade Ihn zur Konferenz ein, die anlässlich des 25. Jahrestages der Verleihung des Friedensnobelpreises an mich organisiert wird. Dort werden wir über die „Solidarität für die Zukunft" diskutieren. Sicher gelingt es uns, bereits vorher Kontakt aufzunehmen und über wichtige Themen zu reden. Ich sage hier: Wenn ich eine Einladung zu den Olympischen Spielen erhalte, dann fahre ich hin. Es gab eine Olympiade, bei der ich die Flagge als Vertreter Europas getragen habe. Ich kann auch dieses Mal ein erkennbarer Teilnehmer der Olympischen Spiele sein, eben um auf erkennbare und symbolische Weise im Namen einer größeren Sache aufzutreten. So sehe ich meine Einstellung zu dem näherkommenden Ereignis. Und nicht nur in solchen Situationen, denn die Olympischen Spiele sind ein Feiertag. Das wichtigste ist, dass nach ihrem Abschluss das Interesse der Welt für das Problem der Beugung der Menschenrechte nicht nachlässt. Und das ist die Aufgabe für die Menschen des Friedens! Ich lade alle herzlich auf diesen Weg ein! Im Geiste der Auferstehung Christi! Und der Neuen Hoffnung, die sie in sich trägt!

Lech Wałęsa für das Internetportal „Wirtualna Polska"

Quelle: www.wp.pl

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Autor: Lech Wałęsa
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